Kosmos der Niederländer

Die Ausstellung „Kosmos der Niederländer“, die noch bis 14. April im Augustinermuseum Freiburg zu sehen ist, eröffnet tatsächlich eine kleine neue Welt. In thematisch geordneten Abschnitten sind 137 Werke niederländischer Malerei zu sehen, die der Sammler Christoph Müller den Staatlichen Museen Schwerin geschenkt hat. Herausragend wird die Sammlung wohl durch die Vielfalt an bisher unbekannteren, kleineren niederländischen Meistern. So besticht die Sammlung nicht durch Namen wie Rembrandt oder Vermeer, sondern vereinigt Bilder von Julius Porcellis, Claes Wou oder Aert Anthonisz – Namen die wohl höchstens den KennerInnen der niederländischen Malerei bekannt sein dürften. Bekannte Motive begegnen beim Besuch: atemberaubende Seefahrten, strenge Kirchenansichten und Architekturstudien, wunderschöne Stillleben, Naturdarstellungen und Porträtmalerei – und viele der Bilder bieten einen ungeahnten Detailreichtum, der die Besucherin schnell in ihren Bann zieht. Die sehr gut besuchte Ausstellung wurde – so mein Eindruck – von den Besuchern gut angenommen: lange Verweilzeiten, einige Gespräche und eine erstaunlich konzentrierte Führung mit etwa 8-jährigen Kindern überzeugen mich als Besucherforscherin für den Moment. Was mir fehlt – konzeptionell – ist eine bessere Einordnung der Sammlung: Der Besucher erfährt an keiner Stelle etwas über die sehr interessante Figur des Sammlers, seine Motive und sein System – was bei einer kuratorischen Entscheidung für eine Sammlungsschau eigentlich unerlässlich scheint. Auch Fragen der öffentlichen Sammlungspolitik oder der mittlerweile nicht mehr wegzudenkenen Rolle von Privatsammlern für die Kunstmuseen hätten verhandelt werden können. Was ebenfalls meiner Meinung nach zu kurz kam, war eine überzeugende kulturhistorische Einordnung der Werke – die Besucher wurden eher alleine gelassen in ihren unterschiedlichen Wissensvoraussetzungen über die Niederlande im 17. Jahrhundert. Die kurzen Objekt- und Raumtexte reichten nicht aus, um zu erklären was den Niederländern Glauben oder Seefahrt bedeutete, weshalb die Bilder von einer Form der Globalisierung erzählen und welche Global-Player-Rolle die Niederlande im 17. Jahrhundert spielten. Dabei bieten sich in den Bildern eine Vielfalt an auch heute höchst relevanten Themen – besonders etwa hat es mir das Bild „Salomons Götzendienst“ von Rombout van Troyen angetan – Salomon lässt für seine hundert Frauen aus alle Welt Altäre für ihre jeweiligen Gottheiten bauen – ein Bild, das sofort an Fragen der Religionsfreiheit denken lässt und den politischen Willen erkennen lässt, unterschiedliche Glaubensformen in einer Gesellschaft zu ermöglichen. Nur wenige Tage nach dem Attentat auf Charlie Hebdo scheint mir nichts relevanter als das.

Salomons Götzendienst, Kosmos der Niederländer, Foto: Sonja Thiel

 

Eine Ausstellungsbeschreibung hier und hier; Weitere Beschreibungen der Sammlung hier  und hier.

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