Konzept in seiner reinsten Form – Ausstellung zu Architekturkritik

Konzept in seiner reinsten Form – das fand sich in der sehr klar gestalteten und durchkomponierten Ausstellung im Architekturmuseum Basel – von 11/2014 bis 02/2015 war die Ausstellung „Textbau-Schweizer Architektur zur Diskussion“ zu sehen. Auf etwa 100qm, denn größer ist das Museum nicht, zeigte die Ausstellung ausgewählte Schweizer Architekturdebatten, deren Akteure, sowie Formate in denen Architektur präsentiert wird. Die Kuratorin Evelyn Steiner bekräftigt in dem kurzen gemeinsamen Rundgang die Relevanz des Themas: Wir sind umgeben von Architektur, leben in ihr und sie bestimmt unsere gesamte Lebenswelt – die Debatten um Architektur sind heftig und medial breit gestreut, die Diskussion jedoch oft verkürzt und über Bilder und Emotionen gesteuert – in der Ausstellung findet hingegen eine erstaunliche Konzentration statt, die dem sehr klaren Konzept geschuldet ist, das ich hier kurz zeigen will.
Empfangen wird der Besucher vom Einleitungstext zum Thema Architekturkritik und einer Übersicht der Schweizer Presselandschaft, die sich Architekturthemen widmen. Die Ausstellung will zeigen, wie wenig der Diskurs über Architektur in der Öffentlichkeit als Einzelthema wahrgenommen wird und wie stark der Diskurs über Bilder (iconic turn) bestimmt wird, anstatt über die intellektuelle Beschäftigung mit Text. Folgerichtig fordert die Ausstellung die Besucher heraus, sich den Texten zu stellen: Der Besucher kann sich an Tischen oder auf einem der schicken Sitzgelegenheiten niederlassen und sich mit den 15 Architekturdebatten auseinandersetzen, die für die Ausstellung gewählt wurden. Für jede Debatte wurde eigens eine kleine Zeitung erstellt, in der Debattenbeiträge (z.B. Zeitungsausartikel oder Radiotranskriptionen) zu lesen sind. An Hörstationen sind Radioausschnitte zu hören, kleine Bilder ergänzen die Eindrücke. In zwei separaten Räumen sind ergänzende Interviews zu hören und weiteres Vertiefungsmaterial zu lesen. Alles in allem eine Ausstellung auf kleinstem Raum in höchster inhaltlicher Konzentration, die die Besucher herausfordert, sich über die Form von Architekturdebatten Gedanken zu machen und auch die eigene Rezeptionsform zu hinterfragen. Es geht der Ausstellung auch darum, Architektur als gesellschaftlich bestimmendes Thema zu positionieren und aus seinem Nischendasein herauszuholen. Durch die radikal schwarz-weiße Gestaltung entwickelt sich der Besuch außerdem zu einem erstaunlichen, manchaml verstörenden Raumerlebnis. Ein Meta-Thema das konzeptionell, gestalterisch ebenfalls auf einer Meta-Ebene umgesetzt wurde.

Die Ausstellung steht im Kontext einer dreigliedrigen Reihe zur Architekturvermittlung. Nach Ausstellungen zu Architekturfotografie und Ausstellungskritik wird ab Ende Oktober 2015 eine Schau zu „Architektur im Film“ zu sehen sein.

 

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